Jugend und Corona in Österreich

By 17. Dezember 2020 Presse

Wege aus der Krise für junge Österreicher im Lockdown.

Aktuelle erste Ergebnisse aus der Studie Junge Österreicher 2021 zeugen von Solidarität und einer alarmierenden Situation der Jugend – Lösungsansätze für Wege aus der Krise.

Wien / Kempten / Berlin, 16.12.2020. Seit Beginn der Corona-Pandemie appellieren Politiker*innen an junge Menschen, dass sie sich verantwortungsvoll verhalten sollen und dass die Rücksichtnahme auf andere in ihrem eigenen Interesse sei. Aber wie rücksichtsvoll verhalten sich Jugendliche und junge Erwachsene? Wie stark sind sie von der Corona-Krise betroffen? Und wie lässt sich die dramatische Situation der Perspektivlosen lösen? Mit einer aktuellen Sonderauswertung der repräsentativen Studie „Junge Österreicher 2021”, die Anfang 2021 erscheinen wird, schaffen Simon Schnetzer und Heinz Herczeg Klarheit und zeigen mit Martina Leibovici-Mühlberger und Klaus Hurrelmann einen konkreten Wege aus der Krise auf.

Obwohl sich nur 8% der Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter zwischen 14 und 39 Jahren zur Risikogruppe bei der Corona-Pandemie zählen, ist es für die große Mehrheit von ihnen (72%) wichtig, sich rücksichtsvoll zu verhalten, um Freunde und Familie nicht zu gefährden. Etwa zwei Drittel der Befragten gibt an, sich an die AHA-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske) zu halten und auf Feiern und Parties zu verzichten. Die renommierte Jugendpsychologin Prof. Dr. Martina Leibovici-Mühlberger zieht als Fazit „Ich bin stolz auf unsere Jugend, dass sie sich so rücksichtsvoll und solidarisch verhält, obwohl sie selbst kaum Angst vor gesundheitlichen Risiken hat“.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind alarmierend

Die niederösterreichische Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister hat in ihrem Appell an die Jugend im Herbst 2020 vor den langfristigen Risiken für die wirtschaftlichen, beruflichen und bildungsmäßigen Perspektiven der jungen Menschen gewarnt. Der bekannte Jugendforscher Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Hurrelmann zieht schon jetzt ein alarmierendes Fazit aus den Ergebnissen Studie „Junge Österreicher 2021“: „Die Krise trifft die Generation Z in der kritischen Phase der Verselbständigung und des Übergangs ins Berufsleben besonders hart. Ein Drittel von Ihnen berichten aktuell von einer Verschlechterung der Perspektiven, was auf eine empfindliche Beeinträchtigung der Chancenstruktur hinweist.“ Für Politiker*innen ist das ein dringendes Signal zu handeln, bevor sich bei der Jugend ein Gefühl der Perspektivlosigkeit und Sinnentleerung einnistet und sich ihre Arbeitsfähigkeit auf lange Sicht verschlechtert.

Lichtblick in der Krise: Familie, Freunde, Freizeit

Die Zahlen über die Auswirkungen der Corona-Pandemie enthalten auch positive Botschaften, wie die, dass über zwei Drittel der jungen Österreicher offensichtlich Rückhalt und Unterstützung in dieser Zeit durch Familie, Freunde und Heimat gefunden haben. Ein weiteres positives Ergebnis ist, dass sich die Balance von Arbeit und Freizeit für mehr Befragte verbessert als verschlechtert hat, was z.B. auf die positiven Effekte der Flexibilisierung von Arbeitszeiten oder neue Homeoffice-Regelungen zurückzuführen ist.

Darauf kommt es jetzt an: Arbeitsfähigkeit sichern & Perspektiven aufzeigen

Heinz Herczeg, Co-Autor der Studie und Experte für Lebens- und Berufsorientierung hat schon viele Menschen auf dem Weg ins Berufsleben gecoacht und begleitet. Aus seiner Erfahrung ist es jetzt besonders wichtig, die Employability von Beschäftigten zu erhalten, die vielfach über mangelnde Kommunikation, fehlende Unterstützung und Wertschätzung von Seiten der Führungskräfte klagen. Außerdem gilt es den Jungen ohne Perspektive so schnell als möglich eine sinnstiftende Aufgabe und auch beim Finden neuer Perspektiven anzubieten, damit sie nicht in einem Corona-Loch versacken.

Eine Lösung: Das Corona-Stipendium für Zusammenhalt und Zukunftsfähigkeit

„Wie wollen wir in 10 Jahren auf diese Zeit der Veränderung und Krise durch die Corona-Pandemie zurückblicken?“ fragt der Gründer der Studie „Junge Österreicher“, Simon Schnetzer, der seit 10 Jahren als Jugendforscher durch Europa reist, um mit jungen Menschen die Lebens- und Arbeitswelt der Zukunft zu gestalten. Eine vielleicht geniale Lösung ist das Corona-Stipendium, das er mit Jugendlichen und den Co-Autoren des Papers „Jugend und Corona in Österreich“ entwickelt hat, um unbürokratisch, wertschätzend und schnell das kreative Potenzial und die Fähigkeiten junger Menschen zu nutzen und ihnen eine sinnstiftende Aufgabe zu geben. In der praktischen Umsetzung ist das Corona-Stipendium so ähnlich wie ein Zivil- oder Zukunftsdienst für junge Frauen und Männer. Allerdings könnten sich neben sozialen oder kommunalen Einrichtungen auch Unternehmen oder Gründungsinteressierte bewerben, um ihre Idee für Zusammenhalt und Zukunftsfähigkeit in Österreich umzusetzen. In 10 Jahren wollen Heinz Herczeg und Simon Schnetzer nicht auf eine „Lost Generation“ oder „Generation Corona“ zurückblicken, sondern auf eine neue Ära von Gründerkultur und Miteinander und auf viele junge Menschen, die in der Krise Perspektiven für Österreich und ihr Leben gestaltet haben.

Downloads und Pressekonferenz

Presseaussendung zur Studie (PDF)

Studie „Junge Österreicher 2021“

Die Studie „Junge Österreicher 2021“ basiert auf einer repräsentativen Online-Befragung der deutschsprachigen Bevölkerung im Alter von 14 bis 39 Jahren – Generation Z und Y und wird von Simon Schnetzer und Heinz Herczeg durchgeführt. Insgesamt wurden für die Studie 1.001 junge Menschen befragt. Inhaltlich und methodisch sind an dieser Sonderauswertung der Studie Prof. Dr. Martina Leibovici-Mühlberger (ARGE Erziehungsberatung) und Prof. Dr. Dr. h.c. Klaus Hurrelmann (Hertie School) beteiligt. Die Befragung wurde vom 30. Oktober bis 2. Dezember 2020 von der Respondi AG durchgeführt. Die vorliegende Auswertung wurde als zeitlich vorgezogene Sonderauswertung der Studie „Junge Österreicher 2021“ vorgenommen. Die Veröffentlichung der Gesamtstudie erfolgt zu Beginn des Jahres 2021. 

Mehr Informationen zur Studie Junge Österreicher unter www.junge-oesterreicher.at

Download des vollständigen Research-Papers https://jungedeutsche.de/junge-oesterreicher-2021/